Diese Band ist nicht nur unglaublich gut, sondern auch unglaublich jung.
Hie und da taucht in der Musikszene ein Talent auf, das man als Wunderkind bezeichnen könnte.
Wenn es aber gleich fünf sind und die miteinander eine Band gründen, dann ist das auf gut
Deutsch „der Hammer“. Natürlich wird überall auf der Welt gerne übertrieben, aber sehen wir
doch den Tatsachen nüchtern ins Auge. Der Bodhrán Spieler Colm Pheelan hat in zwei
aufeinander folgenden Jahren den All Ireland Champion Titel gewonnen und wurde der erste
Weltmeister auf der irischen Rahmentrommel. Der Banjo Spieler James Harvey wurde gleich
viermal All Ireland Champion und auf seinem „Zweitinstrument“ der Mandoline „nur“ dreimal.
Der Akkordeonist und Pianist Tadgh O’Meachair gehört auch zu der illustren Runde der All Ireland
Champs. Zudem hat er das Repertoire des Irish Folk um etliche markante Eigenkompositionen
bereichert. Wenn sich diese Cracks einen Gitarristen aussuchen, dann muss dieser schon
außergewöhnlich sein, um bestehen zu können. Ja, man musste ganz schön weit umsehen, um in den
USA den Gitarren Crack Conal O’Kane zu finden, der den hohen Ansprüchen genügen konnte.
Die einzige junge Dame hört auf den Namen Aine McGeeney und sie spielt nicht nur virtuos
Fiddle sondern hat auch eine mädchenhafte Stimme, welche die irische Presse an die junge
Kate Rusby erinnert. Aine singt sowohl auf Gälisch als auch in Englisch.
Goitse haben die Tür zur Weltmusik, die bereits ihre Kollegen von Beoga
einige Jahre zuvor aufgestoßen haben, jetzt noch einen Spalt weiter geöffnet und das ist gut
für Irland. Es ist auch gut für die Fans der Grünen Insel, die gerne zu Konzerten gehen,
denn die Evolution der irischen Musik bleibt weiterhin spannend und unterhaltend. Es ist
eben Irish traditional music on a major leap forward.
Goitse wird übrigens auf Gälisch als „gwi-cha“ ausgesprochen und heißt
„komm her!“ Nehme also diese gut gemeinte Einladung beim Wort und besuche ein Konzert
dieser sympathischen jungen Band. Du wirst viel Spaß haben…
Kaum zu glauben aber wahr: Die Mundharmonika ist eines der erschwinglichsten
und daher wohl auch populärsten Instrumente in der Folkmusik und trotzdem stand sie bei den
zahlreichen Tourneen des Irish Heartbeat noch nie als Soloinstrument im Rampenlicht. Das wird
sich aber jetzt gewaltig ändern, denn mit Mat Walklate ist endlich einer der großen Protagonisten
dieses kleinen Instruments zu hören. Mat hält nicht nur den Titel eines „All Ireland“ sondern
auch eines „All British Champions“ inne. Es ist faszinierend, was er der Mundharmonika an
Klangbreite und spektakulären Verzierungen entlocken kann. Frappant mit welcher Intensität er
sie jauchzen, jaulen und vibrieren lässt. Das ist Emotionalität pur.
Damit sich die Faszination besonders gut entfalten kann, schadet es nie,
einen superben Begleiter mit auf die Bühne zu nehmen. Matt Fahey ist ein solcher Begleiter.
Nicht nur ein brillanter Gitarrist, sondern auch ein ausdrucksstarker Sänger mit einer tiefen
und sonoren Stimme. Er ist auch für seinen schwarzen Humor berühmt berüchtigt...
Es muss der Vollständigkeit halber gesagt werden, dass Mat Walklate ein
Multiinstrumentalist höchsten Grades ist. Er spielt die Uillean Pipes, Flutes, Whistles
und ist auch gut bei Stimme und so singen beide Mat(t)s einige Lieder in packender
Zweistimmigkeit. Das macht den Auftritt dieses Duos zu einem äußerst abwechslungsreichen
Erlebnis. Hier sind „two masters of Irish Folk“ am Werk.
Die Band ist nach dem Leuchtturm auf der Isle of Tiree benannt. Und warum
eigentlich nicht? Die sechs Jungs kommen von dieser Insel und es ist quasi ihr Leuchtturm.
Dieser steht auf einem schroffen Fels der Inneren Hebriden und wer in Geografie damals nicht
gefehlt hat, weiß, dass diese zu Schottland gehören. Leuchttürme sind seit Menschengedenken
Orte voller Mystik und Einsamkeit. Sie weisen Seefahrern den Weg in den sicheren Hafen oder
lassen sie gefährliche Klippen umschiffen. Eine tolle Inspiration für eine junge Band, die
mit ihrem außergewöhnlichen Sound und einer bestechenden Regelmäßigkeit Leuchtsignale in die
Welt sendet und täglich neue Fans gewinnt.
Was macht den Skerryvore Sound so attraktiv? Es sind die einzigartige Stimme
des Frontmannes und Melodien mit einem hohen Wiedererkennungswert aber auch der Spannungsbogen
zwischen Singer/Songwriting von heute und dem archaischen Klang urschottischer Instrumente
wie Bagpipes, Akkordeon und Fiddle. Wenn kompetente Folk- und Rockmusiker miteinander spielen,
hat es denselben Effekt, wie wenn man einem Jahrhunderte alten Leuchtturm eine hochmoderne
Lichtanlage einbaut. Auf einem bewährten Fundament, das Wind und Wellen getrotzt hat, können
sich neue Beats und Grooves so richtig gut entfalten. Einmal wird daraus ein mitreißendes
Instrumental, das andere Mal ein unter die Haut gehender Song. Ein Skerryvore Konzert ist
reich an Abwechslung.
Nachdem Schottland überragende Celtic Rock Bands wie Big Country, Runrig
oder die Red Hot Chilli Pipers hervorgebracht hat, liegt die Meßlatte für neue Bands extrem
hoch. Nach Meinung der schottischen Presse und des Rundfunks haben Skerryvore diese mit ihren
ersten drei CDs locker genommen. Hier ein paar knackige Zitate: „Skerryvore are Scotland’s best
Trad-Rock band and are with this sensational new album set for world domination.”(John Dinwall –
Music Editor Daily Record) “We well may have found a new Runrig for the 21st century.” (The Herald)
Ein Schweiß treibendes Skerryvore Konzert ist ein echter Testfall für
die Klimaanlage eines jeden Clubs weltweit.